Gedichte / Poèmes

Deine Schritte werden leiser werden

[Für Anna]

Wer bist du
Geworden durch das
Was uns beide ereilte

Du, die ich sehe
Im Licht der
Unendlichen Farben

Wir beide
Dein Arm in dem meinen
Im herbsterfüllten Wald

Das Rascheln der Blätter
Auf unserem Weg
Unter unseren Schritten

Wer bin ich
Geworden durch das
Was uns beide ereilte

An jener Gabelung
Stehen wir
Ich halte deinen Arm in dem meinen

Hier werden sich
Unsre Wege trennen
Ohne unser Zutun

Ganz leicht wird sich dein Arm
Von meinem lösen
Und deine Schritte werden leiser werden

Während meine
Das Laub noch eine Weile
Leis‘ zertreten

Dünnes Eis

Der unerwiderte Blick
Hing

Im Raum
Wie

Der Rauch
Der

Von der Zigarre
Mäandrierte

Frass sich durch
Die Seele

Spiesste die Erinnerungen
Auf

Schwirrte kurz
Im Ventilator

Stand plötzlich auf diesem
Vereisten See

Und realisierte
– viel zu spät –

Dünnes
Eis

Eine Nixe des Logos

Wort für Wort
Abgetragen

Die ehrbar erdachten
In Werte gegossen

In grossen Gefässen
Der Nachwelt gereicht

Reiche und Länder
Versucht und gescheitert

In Weisheit geirrt
Die Schönheit verloren

In flackerndem Lichte
Den Winden gelauscht

Auf Reisen
Die Welten entdeckt

Im Flirren verharrt
Die Laute versucht

Gescheitert am
Leisen

Die Hand auf der Schulter
Des Andern

Die Hoffnung getrunken
Mit Monden gesprochen

Die Träume
In fallende Sterne gelegt

Ein neues Jahr

Keine Blumen
Im neuen Jahr

Keine Pflaumen
Auf dem Kuchen

Stoisch
Ertragen

Schweigend
Blicke trinken

Den Duft
In der Nase

Und keinesfalls
Nur Wein

Raue See
Blauen Blickes

Berührungen
Verbotene

Gärten deren
Violett

In Honig
Überläuft

So machen
Wir das

In diesen
Seltsamen Jahren

Ein Wintertag im Herbst

Es war
An einem Wintertag
Im Herbst

Die Füchse
Glühten
Vor Glück

Um den Verstand
Winkelten sich
Ahornblätter

Eine Biene
Erschoss den Jäger
Im Laub kranzte sein Ächzen

Blinkend bog
Die Lilie
Ins Blau

Doch die Ähre
Wollte tanzend
Wilde jagen

An diesem Abend
Im Zeitenraum der
Liebe

Unmöglich sollte
Das nicht bleiben
Gluckste es

Doch bis dahin
Reckten Flügel
Ihre Töne noch hernieder

Einen Dichter
Hielten sie
Gefangen der

Die Semantik
Vergessen ans
Kielwasser verriet

Im Niemals

Du sagst
Du magst
Auch

Wenn Du
Mich im
Niemals triffst

Mir ist das wohl
Verzeih‘
Zu wenig

Will meine
Seele
Doch stets

Und immerfort
Das Ganze

Im Tanz
Der Nächte
Schatten

Und Licht nur
Um der Schatten
Willen

Im Angesicht
Des Mondes

Die Schritte
Leis‘ und Scheu
Zugleich

Es ist vorbei
Du zauberhafte
Zufallsseele

So lass‘
Zurück
Uns gehen

Ins Licht
Das keine Schattenwelten
Nährt

Eine Ode
An die Nacht
Kann’s allemal noch werden

Dein Mund

Du sprachst
Deine Worte

Wurden zu Städten
Häuserfluchten

Dampf aus
Den Kanälen

Von weit
Sirenen

Ein verliebtes
Paar fernab

Sieht hinab
Aufs Lichtermeer

So sprachst du
Mit deinem Mund

Wurden Strassen leer
Nach Mitternacht

Einsame Lichtsignalanlagen
Klickend

Bis die Dämmerung
Uns über Brücken trieb

Ins Café
Zu diesen Menschen

Die vergessen
Gehen

Was wären
All diese Gedichte

Ohne Geheimnisse
Sprach dein Mund

Die Sonne
Berührte längst

Das rote
Kleine Tischchen

Und unsere
Hände

leise – dort bleiben

Dort bleiben – vielleicht die Zeit – nicht verrinnen lassen – oder nur mit dir – nicht weggehen bis übermorgen – ins Licht sehen und den Fluss – die Luft atmen – ohne vergessen – in den Händen – zarter – sanfter Druck – das Bild bewahren – und den letzten Weg – leise flüstern.

Etwas später

Ich bin
Ohne dich

Kein Korn
In einer Ähre

Die Nichtigkeit
In einer Hülse

Sag‘ du mir
Des Lebens Sinn

Kann man erfassen
Was aus uns
Und in uns schwelt

Des eignen Kindes
Sorglos Lachen

Verwest wie wir
Nur etwas später

 Ein ausserordentliches Sonett

Der Tod hat
In guter Absicht
Den Körper dagelassen

Mitgenommen
Hat er nur
Was keinen Wert
Gehabt in all den Kassen

Und Ränge
Weggespült
Von der Zeiten Strom
Und deren Lächerlichkeiten

Verwest Deines Antlitzes
Krudes Wirken
In den Äusserlichkeiten

Der Baum

Was kann die Welt dir
Du knorriger
Eigensinniger Baum

Was weisst du schon
Von den Schmerzen
Die sich täglich Raum

Brechen durch unser
Kümmerliches Sein
Und selbst wenn du

Die Last auf deinen
Ästen trägst für uns
Und an deinem Fuss

Spriesst die Knospe
Des Frühlings
Dieses jährliche Erwachen

Das schon bald
In reichen Farben
Überquillt und

Auf dem Weg
Zum vollen Leben wirst du
Dein grünstes Kleid

Entfalten die Gräser
Werden flirren in den
Sanften Sommernächten

Silbern als wäre nur
Der Mond ihr echter
Freund die Tiere

Werden fleissig sammeln
Ahnend schon den leisen
Abgesang der milden

Sonnenarme und du
Der König dieses Gartens
Wirst Dein Kleid nun

Bunter tragen wie
Aus Trotz und endlich
Fallen lassen

Schatten warst du
In jenen heissen Tagen
Die sich nun im Nebel

Geheimnisvoll verbergen
Feucht und kälter werden
Während du nun endlich

Die Farbenfetzen deiner
Arme raschelnd zu Boden
Fallen lässt und erneut nackt

Deine Stärke zeigst und
Schönheit in der Kälte
Jener Tage die für dich nur

Immerwährend wachsende
Ringe bedeuten wie für
Uns die selber diesem

Täglich Sein und Werden
Leben und Vergeh’n so
Ausgeliefert sind wie du

So trägst du jedes Jahr aufs
Neue diese Last auf deiner
Stolzen Krone

Vergänglichkeit ist für
Uns Beide der Drang
Zur Sonne hin

 

Ohne Titel

An der Schwelle
Des Glücks
Prüft dich
Die Ehrlichkeit

Sie spricht nicht
Von der Unmöglichkeit
Vom Zögern
Will sie nichts wissen

Und der Schatten
Fällt von links oben
Schräg nach recht unten
Auf den Boden des Balkons

Zorn

Gegen innen
Gewendet

Ätzt das
Gift

Das noch
Versucht

Den letzten
Winkel!

Verbrannt
Zurückgelassen

Stehst Du
Nackt

Verätzt
Vom Leben!

Songes

songes,
tombé
sur des pierres.

des âmes,
cruenté
avec un

vestige
vers toutes les
étoiles

Brennend

Im Glas
Das zitternd
Zurückgeblieben
Ist

Im Sekret
Der Wunde
Brennend
Dreht

Wo leis‘
Dein Bild
Sich aus
Dem Staube macht

balcon d’hiver

le présage
de ta main
dans la mienne…

l’âme de la nuit

mémoire de déchirement

et une
dèrniere cigarette
dans la froideur

In deine Sommersprossen

Und wenn
Ich deinen Körper,
Nur ganz flüchtig,
Fühle an dem meinen

Im Blau
Und in deine
Sommersprossen
Flieh‘

Ertrunken
In den immer
Selben Bildern,
Im Duft

Der dein krauses
Haar
Umweht
Wie Irrlichtfunken

Der Duft in Deinem Blick

Du hattest stets
Diesen Duft

In Deinem Blick

Der von Deinen
Geschlossenen Augen

Nur durch leiseste
Berührung

Meine Welt
In diesen Zauber versetzte…

Der nun blieb.

Versteckt,
Allgegenwärtig

Auftaucht.

Und auch meine
Augen schliessen sich,

Wenn ich
Zu Dir komme

Nach dem Kaffee

Nach dem Kaffee

Frisch geschissen

Raucht’s sich besser

Auf der Terrasse

Vor der Küche!

Danke Sonne,

Kommst Du mich

Auch noch bräunen!